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Aug 01 2012

China – ist die Preisoase am bröckeln?

Ein «Reisebericht» aus dem Bereich des Global Sourcing

Seit der kontinuierlichen Öffnung des Landes während der vergangenen gut drei Jahrzehnten entwickelte sich China hin zu einem Industriestaat. Die billigen Arbeitskräfte und die Aussicht auf grosse Einsparungen führte dazu, dass unzählige westliche Unternehmen ihre Produkte, zunächst insbesondere in der Pearl-River-Delta Region nahe Hongkong, einkauften.

Doch jüngst haben sich die Kostenstrukturen in den küstennahen Regionen teilweile massiv verändert. Ist China für Beschaffungsspezialisten daher nicht mehr attraktiv genug? Was unternehmen die lokalen Produzenten, um zukünftig Preissteigerungen abfedern zu können, um weiterhin mit anderen asiatischen Ländern konkurrenzfähig zu bleiben? Antworten dazu gibt der Autor dieses Berichts, der soeben von einer mehrwöchigen Reise quer durch China zurückgekehrt  ist.

Beginn der Industrialisierung Chinas

1980 wurde in Shenzhen, an der Grenze zu Hongkong, die erste Sonderwirtschaftszone des Landes ausgerufen. In dieser Oase des Kapitalismus konnte erstmals eine ganze Stadt nach den marktwirtschaftlichen Grundsätzen ihre Erfahrungen sammeln. Durch diese Marktöffnung, welche anfänglich hauptsächlich auf den Export ausgerichtet war, wurde es auch ausländischen Investoren ermöglicht, im Land erste Niederlassungen aufzubauen. Anfänglich wurden jedoch nur Joint Ventures bewilligt, welche per Gesetz einen 51-prozentigen chinesischen Anteil erforderten. Die tiefen Löhne und Steuern machten die Region noch zusätzlich attraktiv.

Die clever agierende chinesische Führung ermöglichte, dass viele Entscheidungen rasch gefällt wurden. So sind beispielsweise innert kürzester Zeit unzählige Infrastrukturprojekte entwickelt und realisiert worden. Aufgrund der immer besseren wirtschaftlichen Strukturen entwickelte sich China rasch zur «Werkbank der Welt». Verschiedene weitere Sonderwirtschaftszonen, hauptsächlich entlang der Küstenregion, wurden ausgerufen. Damit begann auch die Zeit der Wanderarbeiter, welche von den nördlichen und westlichen Provinzen in die Küstenstädte zogen, weil der Bedarf mit lokalen Arbeitern nicht ausreichend gedeckt werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren auch die gesetzlichen Bestimmungen punkto Sozial- respektive Arbeitnehmerrechte, Umweltsicherheit usw., wenn überhaupt schon vorhanden, äusserst bescheiden.

Moderne Produktionsstätte in China

Kostentreiber

Der rasante Aufstieg zur zweitgrössten Wirtschaftsmacht, nachdem Japan im Jahre 2011 abgelöst wurde, widerspiegelt die Geschwindigkeit, welche in China herrscht. Bereits ist Chinas Wirtschaftsleistung bis heute gegenüber 2007 schon um gut die Hälfte weitergestiegen, und es wird erwartet, dass sie sich bis 2016 gar verdoppelt haben könnte. Dies hat dazu geführt, dass verschiedene Bereiche, namentlich der Wohnungsmarkt oder die Lebensmittelindustrie, regelrechte Kostenrallyes hingelegt und so die Inflation stark beeinflusst haben. Weiter entstand in den jüngeren Jahren auch ein Arbeitsrecht. Seit 2008 zum Beispiel ist vorgeschrieben, dass Arbeitsverträge schriftlich und nicht mehr per Handschlag abgeschlossen werden müssen. Auch sind Arbeitszeiten und die Bezahlung verbindlich zu regeln. In verschiedenen Provinzen wurden Mindestlöhne eingeführt (Shenzhen hat den Höchsten des ganzen Landes mit rund CHF 230.– pro  Monat). Zwischenzeitlich wurden diese mehrfach erhöht, Kündigungsfristen verlängert und die Anzahl bezahlte Urlaubstage (10 Urlaubstage plus 11 Feiertage) sowie die Altersvorsorge geregelt. 

Ein weiterer Hauptgrund der Kostensteigerung ist der Rückgang an Wanderarbeitern aus den westlichen Provinzen, da vermehrt in deren Heimatregionen neue Arbeits-plätze geschaffen wurden. Gemäss  einem staatlichen Forschungsinstitut reduzierte sich die Zahl von 200 Millionen Menschen in den 90er Jahren auf aktuell 50 Millionen. Das Ausbleiben des Überangebots an Arbeitskräften, führt insbesondere in den Küstenregionen, zu steigenden Löhnen. Auch höhere Steuern und Landpreise im Vergleich zu westlich gelegenen Provinzen stellen die Unternehmen vor grosse Herausforderungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Küstenregionen setzen auf Produktivitätssteigerung und Automatismus

In diesen Regionen findet in gewissen industriellen Branchen zur Zeit eine Transformation statt, weg von den Arbeiterintensiven Produktionen hin zum Automatismus. Diverse Unternehmen haben begonnen, ihre Produktionsprozesse zu optimieren und die Produktivität zu erhöhen. Die Abläufe werden fliessender gestaltet, Arbeitswege verkürzt, Hilfsvorrichtungen gebaut und zusätzliche Maschinen und Roboter eingesetzt. Immer häufiger werden ganze halb- und vollautomatische Montageanlagen installiert. Teilweise sind sie selber entwickelt und hergestellt worden, teilweise werden sie auch importiert, beispielsweise aus Europa. Solche Investitionen lassen sich mittlerweile für chinesische Unternehmen rechnen, da als Beispiel Roboteranlagen in den vergangenen Jahren im zweistelligen Prozentbereich günstiger geworden sind. Dadurch wird der permanenten Lohnkostensteigerung Paroli geboten, indem Montageanlagen 24 Stunden 7 Tage die Woche in Betrieb sein können, ohne eine Heerschar von Arbeitern mehr zu beschäftigen. Auch die zusätzlichen Lohnkosten für Wochenendeinsätze (+ 200% vom Basissalär) können somit auf ein Minimum reduziert werden. Diverse Firmen haben auch begonnen, gewisse Produktionszweige in westliche Provinzregionen zu verlagern. Infolge werden nur noch die technisch anspruchsvollen und margenträchtigeren Produkte im Süden produziert.

Westliche Provinzen rüsten auf 

Um einen gerechteren sozialen Ausgleich zu erzielen und die lokale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, wurden bereits im Jahre 2000 von der Zentralregierung in Peking die «Go West»-Kampagne und dementsprechend massive Investitionsprogramme in sechs Provinzen in Westchina lanciert. Diese Region umfasst mehr als 70% der gesamten Fläche Chinas. Mehr als die Hälfte der gesamten Bodenschätze befinden sich hier. Die drei führenden Städte Chongqing, Xi’an und Chengdu erzielten 2011 ein Wachstum zwischen 13,8% und 16,5% (China im Durchschnitt 9,2%). Bereits seit 2005 ist Intel mit einer eigenen Produktion in Chengdu tätig. In der Zwischenzeit sind mehr als 200 der 500 weltweit grössten Unternehmen vor Ort aktiv. Auch Chongqing, welches viele Unternehmen im Automobil- und Chemiesektor beheimatet, und jüngst Xi’an haben sich ins Rennen um Wachstum eingeschalten. Um die Versorgung ausgebildeter Fachkräfte zu gewährleisten, befinden sich in diesen Städten unzählige Schulen und Universitäten. Allein in Xi’an sind es mehr als 100, von denen jedes Jahr über eine Million Studienabgänger auf den Arbeitsmarkt strömen. Die Ansiedelung von neuen Unternehmen in diesen Regionen führt dazu, dass auch immer mehr lokale Zulieferfirmen entstehen, die sich nicht nur auf den lokalen Markt konzentrieren wollen. Vielmehr ist es deren Bestreben, sich auch im internationalen Wettbewerb zu behaupten, respektive zu etablieren. Dazu helfen die staatlichen Förderprogramme (Steuerbefreiung während einer gewissen Anzahl Jahre), die günstigen Landpreise und die fast unerschöpfliche Anzahl von nach wie vor billigen Arbeitskräften (in der Provinz Sichuan liegt der Minimummonatslohn zwischen CHF 125.– und 163.–), die zur Verfügung stehen.

Schlussfolgerung

China ist immer noch ein äusserst attraktiver Beschaffungsmarkt. Unternehmen, welche in den Küstenregionen mit den stetig steigenden Lohnkosten zu kämpfen haben, entgegnen der Situation mit der Steigerung der Produktivität und dem Einsetzen von Maschinen, Montageanlagen und Robotern. In Westchina profitieren die Firmen von den Unterstützungsprogrammen, den tiefen Landpreisen, den günstigen Arbeitskräften und beweisen so ihre Wettbewerbsfähigkeit. Darüber hinaus besticht die in weiten Teilen Chinas mittlerweile existierende Infrastruktur, und die Küstenregionen profitieren von den sehr guten Anbindungen an die örtlichen Häfen. Dementsprechend gilt es für Beschaffungsspezialisten, nicht nur die Lohnspirale mit anderen asiatischen Ländern zu vergleichen, sondern auch die Vorteile (u.a. die Verfügbarkeit von Gütern, Infrastruktur, Logistik, Know-how, Zuverlässigkeit, Flexibilität) entlang der gesamten Supply Chain, welche das Land bietet, zu berücksichtigen. 

Autor: André Leutenegger
Veröffentlicht: Verein procure.ch
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